Strässer Röhrenverstärker


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Strässer Röhrenverstärker



935hs-label.jpg Herstellerschild
uraltes und "neueres" Herstellerschild


Als Junge war ich immer auf der Suche nach alten Radios auf dem Sperrmüll und irgendwie war ich dabei an die Firma Strässer geraten. Sie war damals im Mittnachtbau in einem oberen Stockwerk mitten in der besten Einkaufsstrasse Stuttgarts, der Königsstrasse.

Und seit diesem denkwürdigen Tag hatten mich die Röhrenverstärker dieser Firma nicht mehr losgelassen. Es sind ELA-Verstärker also mit 100V-Ausgang, die hauptsächlich in Kirchen Verwendung gefunden hatten. Es war wohl gedacht, dass sie bis zum jüngsten Tag durchhalten müssen und so sind sie in einer für Verhältnisse des 21.Jahrhunderts nicht mehr nachvollziehbaren phantastischen Qualität in Handarbeit gefertigt! Absolut reparaturwürdig!

Schwachpunkt sind nur die Röhren EL 34, obwohl nur beste Qualität von Siemens, Valvo u.s.w. verwendet wurde. Am Ende der Lebenszeit (etwa 2000 Betriebstunden bei EL 34) kann es durch abblätterndes Kathodenmaterial zu einer Kathoden-Steuergitter-Brücke kommen, welches das Gitter auf ein zu schädlich hohes Potenzial (0 V!) bringt, die Folge ist ein zu großer Kathodenstrom und "Rotbäckchen" bei der Anode. Wenn jetzt die Sicherung der Anodenstromversorgung nicht anspricht (weil ein zu hoher Wert oder gar ein Staniolpapierchen im Halter drinn ist), dann brennt der Kathodenwiderstand ab und in Folge verreißt es den ihm parallelen Elektrolytkondensator. Die Röhre überlebt diese Tortur, erscheint sogar reaktiviert, die Brücke mag wieder weggebröselt sein.

Neuere Röhrenschaltungen z.B. der Firma Engl vermeiden dieses Unglück durch eine aufwendige elektronische Schaltung --- mit Halbleitern und Relais.

Relativ selten hat nun (2018) nach rund 60 und mehr Jahren ein Elektrolytkondensator des Netzteils seine Kapazität verloren.

935hs-front.jpg

mein ältester, noch mit Hammerschlaglackierung, E14-Fassungen für Netzkontrolle und Aussteuerungsanzeige, großem Netz-Sicherungshalter, aufgenietetem Herstellerschild



Galerie einiger Straesser 935 und auch ihrer Modifikationstypen


Geräteknöpfe werden wie neu, wenn man sie einem kleinen Jutesäckchen zur normalen Wäsche in die Waschmaschine gibt; es ist effizienteste Methode um den Fettschmodder unzähliger Bedienerfinger zu entfernen. Doch Obacht, zuvor die Mahdenschrauben + 4-Kant-Muttern sichern! Das Jutesäckchen hat einen Klettverschluß.
Jutesäckchen mit Knöpfen

Jutesäckchen mit typischen Potientiometerknöpfen



Für die Mikrophonbuchsen am 935 braucht man Stecker der Firma Tuchel (jetzt Amphenol-Tuchel) Typ Großtuchel 3-polig T3079 002. Die Konstruktion ist mit Messerkontakten, die selbstreinigend(!) sind, was beim XLR-System, dem Hirschmann-System, sowie Klinken- und Cinch-Verbindungen mit Rundstiften nicht der Fall ist. Es gibt aber spezielle XLR-Buchsen mit Reinigungswirkung. So gesehen ist der Schritt von Tuchel zu XLR ein Rückschritt in der NF-Technik.


Galerie eines reparierten Einzeltypes 935 mit EL508 dann PL508 anstatt EL34


Es hatte mir besondere Freude gemacht dieses Sonderexemplar aufzuwerten. Die seltenen und wertvollen EL508 hatte ich durch PL508 aus alten Fernsehern ersetzt. Tipp: Gegebenfalls überflüssige Heizspannung aus dem kleinen Trafo nicht sekundär, sondern Primär verbraten, so kann er klein bleiben, denn das Auswahlkriterium reduziert sich auf eine Sekundärwickung, die nur 300mA bewältigen muss. Auch findet man für einen Vorwiderstand im 10k-Ohm-Bereich eher was genau passendes und kann einen Trafo, der für primär 220V gedacht war, dann auch besser und schonender für 230V verwenden.


Galerie eines reparierten neueren Types 935 T30 FNr.842 mit transistoriserten Eingangsstufen.


Der Kleber des Prüfers zeigte den 13.12.1971. Eingesetzt war der Verstärker wohl in einer Kirche in Derklingen. Die Chassisauflage ist hier nun geschraubt. Ich musste einige Arbeiten daran machen.


Fabriknummer 683, Beschreibung und Klirrfaktormessung

Fabriknummer 683, ein Bild

Schaltschema, Scann von der Kopie einer Kopie einer Kopie

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